19. Verbandstag des Deutschen Behindertensportverbandes

(BSSA, 17.05.2025) Der Verbandstag des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) mit 86 Delegierten aller Bundesländer und zahlreichen Gästen beschloss am 17. Mai in Berlin eine grundlegend neue Satzung.

Zur neuen Verbandsstruktur gehören u. a. der hauptamtliche Vorstand, das Präsidium mit Aufsichtsratsfunktion und beschlussfassende Bundesausschüsse mit Vertretern aller Bundesländer. Damit sollen zukünftig Entscheidungsprozesse beschleunigt werden.
Nach 16 Jahren gab der bisherige hochengagierte Präsident Friedhelm Julius Beucher den Staffelstab an seinen Nachfolger, den Anwalt Hans-Jörg Michels aus Brandenburg weiter.

„Ich werde mein Bestes geben, die großen Fußstapfen meines Vorgängers auszufüllen und freue mich auf die große Aufgabe.“

Aus Sachsen-Anhalt nahmen Katrin Kunert, Jörg Möbius, Doreen Seiffert und Andrea Holz als Delegierte teil.
Katrin Kunert, bisher Vizepräsidentin des DBS, stellte sich nicht wieder zur Wahl. Sie plant neben ihrer neuen Tätigkeit als Übungsleiterin im Kinderrehasport in ihrer Heimatstadt Stendal, sich zukünftig mehr in Sachsen-Anhalt zu engagieren.

Friedhelm Julius Beucher: Ein Strippenzieher und ein Rebell – mit unerschöpflichem Herzblut

(DBS, 17.05.2025) 16 Jahre „exzessives Ehrenamt“ und schier unerschöpfliches Herzblut für den Sport von Menschen mit Behinderungen. 16 Jahre Botschafter, Kümmerer, Kämpfer, Netzwerker und gleichzeitig einer der größten Fans der deutschen Para Sportler:innen. Friedhelm Julius Beucher hat den Behindertensport in Deutschland geprägt wie kaum ein anderer. Nun endet eine Ära nach mehr als anderthalb Jahrzehnten. Beim 19. Verbandstag des Deutschen Behindertensportverbandes in Berlin ist der 78-jährige Bergneustädter nicht mehr zur Wiederwahl angetreten, sondern hat den Staffelstab weitergereicht. Eine Entscheidung, die er sich alles andere als leicht gemacht hat.

Wer sich mit dem Sport von Menschen mit Behinderungen beschäftigt, kommt an Friedhelm Julius Beucher nicht vorbei. 2009 wurde der langjährige Abgeordnete des Deutschen Bundestages (1990 bis 2002) nach seiner Pensionierung als Rektor einer integrativen Schule zum ehrenamtlichen Präsidenten des DBS gewählt. Eine Rolle wie maßgeschneidert für den umtriebigen Politiker und Sportfreund aus dem Bergischen Land. Ob auf Veranstaltungen in der gesamten Bundesrepublik, als Dauergast beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue, als gefragter Gesprächspartner vor laufender Kamera, im Radio oder bei Talkrunden, im Sportausschuss des Deutschen Bundestages, auf der Sportministerkonferenz, bei unzähligen Gremiensitzungen oder als lautstarker Unterstützer mit geschwenkter Deutschland-Fahne auf den Tribünen dieser Welt ebenso wie beim Sportfest in Leverkusen oder in Cottbus – Friedhelm Julius Beucher war omnipräsent.

Achtmal führte er das Team Deutschland Paralympics als Delegationsleiter an: in Vancouver, London, Sotschi, Rio de Janeiro, PyeongChang, Tokio, Peking und zuletzt in Paris. Bei den Paralympischen Spielen war der 78-Jährige noch weitaus häufiger. 1992 in Barcelona erlebte Beucher als junger Bundestagsabgeordneter erstmals Paralympics persönlich vor Ort – eine prägende Erfahrung.

„Damals wussten die Menschen nicht, wie man Paralympics überhaupt buchstabiert – heute kennen sie einige Athletinnen und Athleten mit Namen. Damals gab es nach den Spielen eine halbstündige Zusammenfassung in einem Gesundheitsmagazin – heute berichten ARD und ZDF über 60 Stunden live von den Paralympics, in Paris erstmals sogar zur Primetime“, erzählt Beucher gerne und mit Stolz.

Denn zu dieser Entwicklung hat der Bergneustädter, der vor seiner Wahl zum Präsidenten bereits einige Jahre Kuratoriumsvorsitzender des DBS war, maßgeblich beigetragen. Mit der ihm eigenen charmanten Hartnäckigkeit, mit großer Leidenschaft und ausgeprägter Überzeugungskraft.
In seine Amtszeit fallen neben der stark gewachsenen Wahrnehmung des Para Sports unter anderem die Angleichung der Prämien für die Medaillengewinner:innen bei Olympischen und Paralympischen Spielen, die Gleichrangigkeit von olympischem und paralympischem Sport, der erhebliche Zuwachs an hauptamtlichen Trainer:innen sowie die damit einhergehende Professionalisierung, deutliche Verbesserungen in der Förderung der Athlet:innen sowie große Schritte hinsichtlich der Teilhabe und Inklusion von Menschen mit Behinderung im Sport. Beucher erinnerte stets an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung und legte den Finger in bestehende Wunden. Er forderte mit Nachdruck barrierearme Sportstätten, eine bessere Hilfsmittelversorgung, mehr Sportangebote durch mehr Vereine und Übungsleiter:innen, die sich für Menschen mit Behinderung öffnen, sowie weniger Barrieren in den Köpfen. So lässt sich festhalten: Der Behindertensport ist in den vergangenen 16 Jahren deutlich weiter in die Mitte der Gesellschaft gerückt.

Friedhelm Julius Beucher. Ein Sportfunktionär mit Rückgrat, einer für die große Bühne und doch bodenständig. Ein Mann der klaren Worte und gleichzeitig mit großem Herz, aufrichtig und authentisch. Einer, der sich nicht hat verbiegen lassen. Eine Persönlichkeit, die fehlen wird an der Spitze des Deutschen Behindertensportverbandes.
Andererseits wird Beucher dem DBS auch als Ehrenpräsident weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen sowie den eingeschlagenen Weg der Professionalisierung und Modernisierung des Verbandes weiter begleiten.

Die BSSA-Delegierten mit dem neuen DBS-Präsidenten: Andrea Holz, Hans-Jörg Michels, Katrin Kunert, Jörg Möbius, Doreen Seiffert (v. l.)

Foto: DBS